Siehe auch Schutz vor Schnüffelsoftware
 

Wasserzeichen, Schnüffelsoftware, Überwachung

Die Abmahnungsabzocke in Deutschland hat einen neuen Grad erreicht: Die Automation. Schnüffel- und Textsuch-Software scannt automatisch das Internet nach echten und vermeintlichen Urheberrechtsverstößen (die Fehlerquote dieser Schnüffelprogramme ist enorm). Daten werden erfasst, Serienbriefe automatisch gedruckt, Briefe maschinell frankiert usw. Das einzige, was gleich geblieben ist, sind die pro Brief in Rechnung gestellten Kosten: 450 bis mehrere Tausend Euro. Ach so, und natürlich stellt man den Abgemahnten auch noch die "Betriebskosten" der Schnüffelsoftware in Rechnung. Das ist ungefähr so, als wenn man die Kosten für seine Gelddruckmaschine von der Steuer absetzt. Anlass genug jedenfalls, einmal den verschiedenen neuen Stichworten auf den Grund zu gehen.
 
Was sind Wasserzeichen (auch Watermark, Fingerabdruck, Fingerprint) ?
Es handelt sich dabei um die mehr oder weniger versteckte Kennzeichnung von Bildern und Videoclips. Die Wasserzeichen sind dabei ein nach Möglichkeit unveränderliches Kennzeichen, dass in die Bild- oder Videodaten eingearbeitet wird und dann später von entsprechender Schnüffelsoftware aufgespürt werden kann.
 
Im einfachsten Fall ist ein Wasserzeichen ein halbtransparentes Logo auf einem Bild. Das hat immerhin den Vorteil, dass jeder erkennen kann, dass jemand die Rechte an diesem Bild für sich beansprucht (ob zu Recht oder Unrecht, ist anhand des Wasserzeichens natürlich nicht zu erkennen). Besonders heimtückisch aber sind unsichtbare Wasserzeichen. Auch sie können durch entsprechende Software aufgespürt werden, sind aber für den Verwender des Fotos nicht erkennbar. Diese Nichterkennbarkeit ist Basis des neuen Geschäftsprinzips der Lizenz-Erpressung (siehe GettyImages-Abmahnungen).
 
Natürlich sollte man generell keine fremden bzw. in der Herkunft zweifelhaften Bilder bei seinen Internetauftritten verwenden. Die Erfahrung der Vergangenheit hat aber gezeigt, dass man selbst für lizensierte Bilder abgemahnt werden kann, weil die Lizenz zB. abgelaufen ist oder unzureichend war. Unwissenheit schützt dabei vor Strafe nicht, und die Strafe ist nicht irgendeine Ordnungsstrafe, sondern in der Regel viele Tausend Euro "Schadenersatz" auf Basis der Lizenzanalogie, einer juristischen Finte, um Schaden vorzutäuschen, wo gar keiner ist.
 
Und natürlich kann man auch nicht verhindern, dass jemand sein Wasserzeichen einfach im großen Stil auf freie Bilder draufknallt, und dann diese Bilder für sich in Anspruch nimmt. Richter begnügen sich in der Regel mit der Erklärung des echten oder vermeintlichen Rechteinhabers, dass schon alles seine Richtigkeit habe.
 
Wasserzeichen entfernen, geht das?
Wir empfehlen, wenn man die Verwendung eines bestimmten Fotos für unverzichtbar hält und zu der Ansicht gelangt ist, dass keine Rechte an diesem bestehen, Bilder generell nachzubearbeiten, um etwaige Wasserzeichen zu entfernen. Es gibt dabei keine 100%-ige Sicherheit, aber es gibt verschiedene Verfahren, die die Aufspürung solcher Wasserzeichen durch Abmahnungsabzocker erschweren.
 
Zuerst sollte man mit entsprechender Software checken, ob ein bekanntes Wasserzeichen (zB. Digimark) enthalten ist. Für alle bekannten Grafik-Programme (Photoshop, Corel, Gimp) gibt es entsprechende PlugIns, die Wasserzeichen aufspüren. Und wenn ein Bild definitiv ein Wasserzeichen enthält, sollte man es natürlich gar nicht erst verwenden.
 
In allen anderen Fällen kann man mit aufwendiger Bildbearbeitung ein eventuell vorhandenes Wasserzeichen unter Umständen hinreichend beschädigen. Änderung der Bildgröße, des Ausschnitts und des Kontrastes sind da in der Regel nicht ausreichend. Wenn man sie aber kombiniert mit dem Dehnen und Stauchen eines Bildes (Verzerren und Wiederherstellen), vielleicht auch dem Spiegeln (seitenverkehrt), dann wird es mit einiger Wahrscheinlichkeit gelingen, zumindest völlig unsichtbare Wasserzeichen zu beschädigen.
 
Generell empfiehlt sich auch das Duplizieren und neu Abspeichern von Bildern, um Text-Bestandteile des Originalformats zu entfernen. Wer ein Bild mal mit einem Text-Editor öffnet, entdeckt dort unter Umständen im Binär-Code versteckte Kommentare und Urheberhinweise in Textform. Auch hier gilt: Wenn da jemand sein Copyright eingetragen hat, sollte man das natürlich auch respektieren.
 
Bilder, Videoclips und Texte per JavaScript einbinden
Noch größere Sicherheit bietet natürlich, wenn man seinen Content per JavaScript einbindet, womöglich sogar codiert. Wie das genau geht, würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen, aber Videoclips werden ja bereits jetzt schon von den meisten Portalen per JavaScript eingebunden (so dass man die Quellen nicht zurückverfolgen oder analysieren kann), und genauso geht das natürlich auch mit Bildern. Man kann zB. auch durch ein externes JavaScript und den "document.write" Befehl Inhalte in Webseiten "zaubern", die dort für Spider und Schnüffelsoftware gar nicht vorhanden sind.
 
Die effektivste Methode aber, um der deutschen Abmahnungsabzocke zu entgehen, ist es, im Internet anonym aufzutreten. Während deutsche Hosts und Provider vor Anwälten und Regierungsministerien duckmäusern und sofort Eure persönlichen Daten herausgeben (dabei im Prinzip sogar einen Rechtsverstoß begehen), gibt es bei den meisten ausländischen Providern nur Stinkefinger für solche Anfragen und Ersuchen, egal von wem. Verwendet also ausländische Anbieter (Blogs bei Google, Domains bei amerikanischen Anbietern mit WhoIs-Protection) statt der deutschen Duckmäuser, und auch Ihr könnt den Abzockern den Stinkefinger zeigen. Ohnehin ist Abmahnung ein rein deutsches Phänomen.
 

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