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Hintergrund: Urheberrecht im Informationszeitalter bei Politik-Poker.de
 

Das neue Urheberrecht: Alle Macht den Konzernen?

Die Probleme begannen, als dem Internet kurzerhand ein Recht übergestülpt wurde, das sich im normalen Alltag und bei den Print-Medien bewährt haben mag, für elektronische Medien aber völlig ungeeignet war. Statt jetzt aber sinnvolle Veränderungen und Anpassungen an die neuen Verhältnisse vorzunehmen, konnte eine Handvoll Konzernlobbies beim (technisch offenkundig vollständig unterbelichteten) Gesetzgeber sogar eine weitere Verschärfung durchsetzen, einseitig auf Kosten privater Webnutzer, mit katastrophalen Folgen für Homepagebesitzer und das Internet im allgemeinen.

Einst hatte das Urheberrecht die Aufgabe, die kreative Arbeit von Künstlern, Komponisten und Autoren zu schützen. Es war eine durchaus geniale Erfindung, die die schöpferisch Tätigen aus Armut und Abhängigkeit befreite.

Inzwischen wurde es ein von Lobbyisten initiiertes, völlig undurchschaubares Paket, einzig ausgelegt zur Gewinnmaximierung einiger weniger Rechteinhaber, mit gravierenden Auswirkungen und Einschränkungen für die kreative Arbeit und freie Information im Internet. Es ist kein Schutzgesetz mehr, sondern vor allem ein Verhinderungsgesetz.

Niemand will den kreativen Schöpfern ihre Rechte streitig machen! (Ganz nebenbei: Mit den Künstlern und Musikern selber gibt es auch fast nie Probleme!) Es geht hier einzig darum, dass das Internet dringend eine Novelierung des Urheberrechts, eine Anpassung an die neuen Gegebenheiten erfordert. Es kann und darf nicht sein, dass grenzenloses Macht- und Profitstreben von einigen wenigen Konzernen und Rechteinhabern durch immer weiter verschärfte Gesetze letztlich das Ende jeder freien Veröffentlichung und schöpferischen Tätigkeit bewirkt, den Untergang des uns bekannten freien, demokratischen und multikulturellen Internets.

 

Klar, jetzt kommt der immer wieder gern angebrachte Hinweis, daß das Internet kein rechtsfreier Raum wäre.

 
- Und wenn alle Rechte in den Händen weniger Personen und Körperschaften vereint sind? Ist das dann noch Recht?
 
- Und wenn Überregulierung und unüberschaubare Vorschriftenfülle jede Handlungsfähigkeit des Normalbürgers stranguliert. Ist das dann noch Recht?
 
- Und wenn Gesetze vor allem zum vorsätzlichen Abzocken unbescholtener Bürger verwendet werden? Ist das dann noch Recht?
 

Im Folgenden ein paar grundsätzliche Anregungen, wie eine Erneuerung des Urheberrechts aussehen könnte:

  • Es muß ein Recht zum Zitieren geben! Zitate (egal ob literarisch, musikalisch oder wissenschaftlich) sind wesentliche Grundlage jeden Dialogs, jeder Meinungsäußerung, jeder kreativen oder wissenschaftlichen Tätigkeit. Und für den Urheber sind sie gleichzeitig Gratis-Reklame. Einen angeblichen Schaden durch das Zitieren aus größeren Werken, kann ich beim besten Willen nicht entdecken oder nachvollziehen, so daß hier der Freiheit des Einzelnen der Vorrang zu geben ist.
     
  • Für Bearbeitungen und Variationen von geistig-schöpferischem Grundmaterial müssen großzügigere Spielräume gewährt werden. Letztlich baut alles was wir tun und machen auf der Arbeit anderer auf. Das ist Grundlage unserer Kultur. Es führt ins Absurde, wenn einige wenige Personen und Körperschaften jetzt versuchen, alles und jedes (unter Mißbrauch der Urheber-, Marken- und Patentrechte) rechtlich für sich selbst zu "reservieren".
     
  • Die Recherche nach Urhebern und Rechteinhabern darf immer nur in angemessenem Rahmen gefordert werden. Wenn der Rechercheaufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Umfang einer Präsentation/Anwendung stehen würde, dann kann es nicht angehen, daß Rechteinhaber mit Anwälten, Gerichten, und an den persönlichen Geschäften orientierten Streitwerten daherkommen. Unverhältnismäßiger Rechercheaufwand, sowie mit Kanonen auf Spatzen schießen, kostet unser aller Geld und lähmt Wettbewerb und Volkswirtschaft.
 
 
Was könnt Ihr tun?
 
 

Links / Artikel zum Thema:

  • Das Urheberrecht im Informationszeitalter: Politik-Poker.de
    [Zitat: "Statt Gedanken und Visionen zu entwickeln, wie das Urheberrecht reformiert werden könnte, um der modernen Informationsgesellschaft gewachsen zu sein, beschränken sich alle derzeitigen Urheberrechtsnovellen ausschließlich darauf, das Internet und die digitale Kopie auf das rigideste einzuschränken"]
     
  • Zum neuen Urheberrecht: Heise-Artikel
    [Zitat: "Man gewann auf der (Urheberrechts-) Konferenz den Eindruck, dass Industrievertreter wie auch Politiker bewusst Entrechtungen und Probleme durch exzessiven Gebrauch von möglichst sinnfreien Anglizismen in New-Economy-Pidgin verschleierten."]
     
  • Auch bei M-E-X, der Site für Unternehmer und Existenzgründer, hat man eine sehr kritische Position: Gedanken zum neuen Urheberrecht.
     
  • Bedeutung des neuen Urheberrechts für die Musikindustrie: Legamedia.net
    [Zitat: "Warum wird also auf Kosten der Konsumenten und der Kreativitätsförderung eine Industrie gefördert, die bereits überdurchschnittlich gewinnbringend ist?"]
     
  • Was falsch ist am Kopierschutz: CT-Arikel
     
  • FAQ bei Dr. Bahr: Neues Urheberrecht
     
  • Zum Thema Urheber- und Markenrecht sollten noch die Gema und die DPMA genannt werden.
 
 
 
 
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