Fuck your Copyright bla bla bla*

[* Reaktion der Anonymous-Hacker auf einen nicht weniger polemischen Künstleraufruf]
Die gesellschaftliche Diskussion ums Urheberrecht wird immer heftiger geführt und die Fronten scheinen sich eher zu verhärten, als dass ein Konsens gefunden wird.
 
Dabei teilt sich die Gesellschaft gar nicht etwa in kreative Urheber auf der einen, und fiese Kopier-Diebe auf der anderen. Vielmehr teilt sie sich in Leute, die wissen, wovon sie reden, und solche, die keine Ahnung haben, aber trotzdem engagiert drauflos-schwätzen.
 
Letztere sind nicht zuletzt auch alle möglichen B-Künstler, die sich jüngst von der Content-Lobby instrumentalisieren ließen und sich vermutlich gar nicht bewusst sind, was sie tatsächlich wollen und wofür sie sich da - im Dienste der Rechteverwaltenden Industrie - stark machen.
 
Versuchen wir doch mal, die verbreitetsten Missverständnisse und Vorurteile auszuräumen und ihnen die REALITÄT gegenüberzustellen:
Acta, Copyright, Fawkes und Paragraphen
 
1. Kopieren ist kein Diebstahl. Es ist vielmehr die Basis menschlichen Verhaltens. Wir kopieren von klein auf. Alles was wir erlernt haben, denken und fühlen, ist Kopie. Sprache, Kultur, Wissen. Niemandem wird da etwas weggenommen, im Gegenteil: wir werden dadurch überhaupt erst zu (im Idealfall wertvollen und nützlichen) Mitgliedern der Gesellschaft. Das gilt natürlich auch und ganz besonders für die Künstler und Wissenschaftler. Sie sind Bestandteil unserer Kultur und sie wurden das durch eifriges Kopieren ihres Umfelds und der Werke anderer.
 
2. Kopieren schadet nicht den Urhebern und Erfindern. Im Gegenteil, es ist die Vorraussetzung dafür, dass diese überhaupt erstmal bekannt werden können (keine Kopie = keine Öffentlichkeit) und dann in Folge (ebenfalls mit Kopien) Geld verdienen können. Medienberichte über Künstler sind Kopien. Bücher sind Kopien. CDs und DVDs sind Kopien.
 
Man muss also eigentlich nur dafür sorgen, dass all diese Kopien nach einem generellen Schlüssel vergütet werden.
 
Das ist zur Zeit nicht der Fall. Das derzeit herrschende System kommt überhaupt nur einem verschwindend kleinen Teil der Urheber (die bei Gema und anderen Rechteverwaltern registriert sind) zu Gute. Und es wird kontrolliert von mächtigen Lobbies, die aus ihrem primären Gewinnerzielungsinteresse heraus der Kultur und Gesellschaft, und nicht zuletzt den Künstlern selber, eher schaden als nutzen.
 
3. Wenn der Austausch von Wissen und Kreativität durch einflussreiche Lobbies unterbunden oder auch nur eingeschränkt wird, wird auch die Kreativität und Produktivität unserer Gesellschaft eingeschränkt. Das schadet sowohl der Gesellschaft wie auch den Künstlern und Wissenschaftlern.
 
Bei aller politischen Einflussnahme und den meisten Gesetzänderungen im Bereich des Urheberrechts geht und ging es ausschließlich um die Gewinne einer kleinen Lobby von Rechteverwaltern. Und deren Gewinne werden ja nicht etwa an die Künstler (und Wissenschaftler) weitergegeben. Diese Rechteverwalter verfolgen ausschließlich ihre eigenen Interessen. Künstler (und Wissenschaftler) haben ihre Rechte längst, in der Regel für zu wenig Geld, an irgendwelche Verlage abgetreten.
 
Das derzeitige Urheberrechtssystem ist also extrem ungerecht und feudalistisch. Es schadet der Mehrzahl der Kreativen und erst recht der Gesellschaft und es verteilt seine Erträge extrem ungleichmäßig und ungerecht.
 
Was aber noch schlimmer ist: In den digitalen Medien funktioniert es schlicht und einfach nicht mehr, da der Austausch dort viel zu komplex ist, als dass er sich in ein Urheberrecht aus der Zeit des Buchdrucks pressen ließe. Übrigens auch der wechselseitige Austausch, denn längst stehen nicht mehr Künstler und passive Konsumenten einander gegenüber, sondern Künstler werden inspiriert von den Online-Aktivitäten kreativer Laien, und Laien wiederum basteln mit den Versatzstücken von Künstlern (wenn sie zB. ihre selbstproduzierten Youtube-Clips mit Musik unterlegen).
 
Wir brauchen also ein neues, gerechteres Urheberrecht, und diejenigen, die sich da am lautesten gegen Aufbäumen, sind meist diejenigen, die derzeit ungerechtfertigte Privilegien genießen.
 
Noch ein Hinweis an die Adresse derer, die Kopieren mit Stehlen gleichsetzen und das derzeitige Urheberrecht offenbar für gottgegeben und unveränderlich halten: Kopieren ist kein Diebstahl! Wenn ich ein Fahrad "kopiere", dann stehle ich es nicht! Das Urheberrecht ist eine rein abstrakte Konstruktion, die einstmals für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft geschaffen wurde und Künstler aus der Armut holte. Wenn dieses Gesetz aber seiner Aufgabe nicht mehr gerecht wird, dann muss man eben über Änderungen nachdenken. Solche Anpassungen sind kein "Rechtsbruch", sondern ganz normale demokratische Gesetzgebung. Und die Gesetzgebung geht indirekt vom Volk aus. Sollte sie zumindest, denn beim "Neuen Urheberrecht" und "ACTA" war das definitiv NICHT der Fall. Das Volk ist zur Zeit nur noch dazu da, sich bei Wahlen verarschen zu lassen ...
 

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