06.08.2011 - Abmahnungen wegen Heinz Erhardt

Und wieder hat ein Verlag entdeckt, dass man, statt mit ehrlicher Arbeit, noch viel mehr Geld machen kann, wenn man Internetnutzer wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen abzockt. Seit Ende Juli lässt der Lappan-Verlag durch eine Hamburger Kanzlei Schadenersatzforderungen an unzählige Website-Betreiber verschicken, die aus Unkenntnis bzw. im guten Glauben darauf, dass Heinz Erhardt quasi Volksgut ist, ein paar Zeilen von Ihm veröffentlichten.
 
Nach Erich Kästner und Karl Valentin dürfte sich jetzt also auch Heinz Erhardt im Grab umdrehen, angesichts solch widerwärtiger Geldgier und offenkundiger Abzocke.

Da würde selbst dem Heinz das Lachen vergehen
Wir erlauben uns dazu als kontextbezogenes Kurzzitat von Heinz Erhardt die folgenden Zeilen zu veröffentlichen:
"Allein, ein Schnüffelsoftware und Abzocker sind hier unerwünscht Freund bliebst Du mir nicht.
Ich wurde ja Schnüffelsoftware und Abzocker sind hier unerwünscht auch nur Poet,
Du aber bist Schnüffelsoftware und Abzocker sind hier unerwünscht beim Amtsgericht."
 
Oder halt beim Lappan-Verlag bzw. seiner Inkasso-Kanzlei.
 
Äußerst raffiniert ist dabei die juristische Vorgehensweise: Man verschickt keine Abmahnungen, sondern nur Zahlungsaufforderungen. Dadurch hält man den Streitwert im Falle eventueller Gegenklagen möglichst gering.
 
Und solche Gegenklagen sind gar nicht mal so unwahrscheinlich, da die versandten Lizenzrechnungen aus unserer Sicht an groben Unfug grenzen:
  1. der in Rechnung gestellte Text wird überhaupt nicht benannt. Viele Angeschriebene wissen gar nicht, worum es geht und können nicht überprüfen, inwieweit die Forderungen berechtigt sind.
  2. die pauschale, zudem maßlos überzogene Gebühr von 600 Euro für knapp 50 Worte entspricht nicht den Anforderungen der Lizenzanalogie. Dafür müssten auch Veröffentlichungszeitraum, Seitenaufrufzahlen sowie der Status der Homepage (privat oder geschäftlich) geprüft werden.
 
Das ist ungefähr so, als würde ich per Streubombe Rechnungen versenden, in denen ich schreibe: "Sie haben mir was geklaut. Überweisen sie umgehend 600 Euro auf mein Konto, oder ich werde rechtliche Schritte gegen Sie einleiten."
 
Insgesamt eine weitere fragwürdige Abzockaktion, die unser Internet heimsucht. Auch die Heinz Erhardt Erben haben sich auf ihrer Homepage inzwischen ausdrücklich von dieser Vorgehensweise distanziert. Möge ein jeder seine Konsequenzen daraus ziehen und sich gut überlegen, ob er zukünftig bei so einem Verlag noch kaufen möchte!
 
Heise-Online: Abkassiert wegen Heinz Erhardt
 
Rechtsanwaltskanzlei-Urheberrecht: Abmahnung wegen Gedichten
 
Ein satirischer Kommentar der IT-Kanzlei Sewoma
 
Schutz vor Textsuchsoftware: Der Text-Häcksler
 
Was heißt eigentlich Lizenzanalogie
 
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