08.08.2011 - Jetzt mahnt die ganze Welt Deutschland ab

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch das Ausland merkte, dass man die Deutschen, dank ihrer hirnverbrannten Abmahnungs- und Lizenzanalogie-Regelungen, ganz wunderbar abzocken kann. Inzwischen beauftragen ausländische Unternehmen wie zB. GettyImages (USA), GV-World (russische Filme) oder der Lappan-Verlag (Österreich) deutsche Kanzleien, um deutsche Internetnutzer wegen angeblicher Urheberrechtsverstöße abzumahnen und zur Zahlung von Wucherlizenzen zu erpressen.
    Was im eigenen Land zumeist unmöglich wäre, in Deutschland ist es zu einem neuen Geschäftsprinzip geworden, das jährlich mehrere 100 Millionen Umsatz macht. Und Politiker wie Richter schlafen den Schlaf der "Gerechten" oder helfen gar eifrig mit, das eigene Volk in die Pfanne zu hauen.
 
Wie funktioniert das Ganze? Man verwendet spezielle Software, die im Internet nach angeblich geschützten Bildern oder Texten sucht. Dann schickt man Abmahnungen und Lizenzrechnungen mit maßlos überzogenen Streitwerten und utopischen Wucherlizenzen, die niemand, der bei Verstand wäre, jemals freiwillig zahlen würde.
 
Wer aber tatsächlich (wissentlich oder unwissentlich) das Urheberrecht verletzt hat, zahlt vermutlich freiwillig, um einen womöglich noch teureren Prozess zu vermeiden. Wohl wissend, dass er abgezockt wird (für ein Bild im Schnitt ca. 2000 Euro, für 50 Worte Text ca. 500 Euro).
 
Es gab einmal eine Zeit, da nannte man sowas Schutzgeld-Erpressung. Und tatsächlich, die Gewinne, die damals ein Al Capone erzielte, sind mit den heutigen Gewinnen der Abmahn-Syndikate durchaus vergleichbar (412 Millionen Euro in 2010, siehe Abmahnstatistik).
 
Wer dagegen überzeugt ist, keine Urheberrechtsverletzung begangen zu haben, wird von deutschen Gerichten auf schmerzvolle Weise belehrt, dass wir in einem Feudalsystem leben, in dem Kanzleien und große Firmen fast IMMER Recht bekommen, während, wer wirklich oder vermeintlich das Urheberrecht verletzte, quasi vogelfrei ist:
  • Die von den Unternehmen oder Kanzleien verwendete Software (um Urheberrechtsverletzungen aufzuspüren) wird als zweifelsfrei zuverlässig angesehen, ohne dass dafür ein unabhängiges Gutachten erbracht werden müsste.
  • Die klagenden Firmen werden zweifelsfrei als Rechteinhaber angesehen, ohne dass dafür ein Nachweis erbracht werden müsste. (Dass die Firmen ihre versteckten Wasserzeichen auf irgendwelche Fotos geknallt haben, besagt gerademal so viel wie ein Brandzeichen, das Pferdediebe irgendwelchen frisch gestohlenen Vierbeinern aufbrennen.)
  • Die verlangten Lizenzgebühren werden als zweifelsfrei rechtens und angemessen angesehen, ohne das überhaupt nachgeprüft wird, was der tatsächliche Marktwert solcher Fotos/Texte wäre. (Angesichts unzähliger Gratisangebote im Netz - 99% des Internets sind Public Domain und Freeware (!) - ist dieser Marktwert nämlich gleich Null. Darum kümmert sich die ebenso weltfremde wie komplizierte Lizenzanalogie aber nicht, dort kann jeder richtige oder vermeintliche Urheber seinen "Wert" quasi selbst festlegen!
Damit aber nicht genug, das etablierte Abzock- und Unrechtssystem geht noch viel weiter: Selbst wer die verwendeten Bilder oder Texte käuflich erworben oder lizensiert hat, kann abgemahnt werden. Wenn die rechtmäßig erworbenen Bilder nämlich ohne dafür notwendige oder hinreichende Lizenzen vertrieben wurden, haftet der Käufer in vollen Umfang. Nichts mit "gutem Glauben" gegenüber dem Verkäufer. Aus Sicht deutscher Richter ist es "grob fahrlässig", wenn man nicht für JEDES einzelne Bild, das man im Internet veröffentlicht, eine persönliche, schriftliche Lizenz vorliegen hat.
    Hat natürlich NIEMAND, mit der Folge, dass im Prinzip JEDER Internetteilnehmer beliebig und grenzenlos abgezockt werden kann.
 
Erlauben wir uns mal die Zwischenfrage: Auf welchem Planeten leben eigentlich deutsche Richter?
 
Fassen wir das neue Geschäftsprinzip zusammen:
  1. Man klaue Bilder aus den (überwiegenden) Public Domain Bereichen des Internets. Alternativ kann man auch zum "Schrottpreis" die Rechte an irgendwelchen ollen Kamellen erwerben, wie das GettyImages zB. bei Flickr tut. (Ein paar echte Fotografen kann man natürlich auch noch unter Vertrag haben, macht sich immer gut.)
  2. Man knalle sein verstecktes Wasserzeichen aufs Bildmaterial.
  3. Man stelle diese Bilder ins Internet, in (angeblich lizenzfreie) Bildarchive, in Tauschbörsen, auf (angeblich lizensierte) Sample-CDs usw. auf dass sie sich möglichst umfangreich verbreiten mögen.
  4. Man lasse eine spezielle Bildsuchsoftware nach den eigenen Wasserzeichen suchen.
  5. (Dieser letzte und wichtigste Punkt funktioniert nur in Deutschland:) Man verschicke Abmahnungen und Wucherlizenzen. Je höher, desto besser, man kann praktisch nicht verlieren. Denn - wie schon gesagt - vor deutschen Gerichten bekommen (vermeintliche) Rechteinhaber fast IMMER Recht, während (vermeintliche) Urheberrechtsverletzer quasi vogelfrei sind, und wenn es dafür die Todesstrafe gäbe, würde wohl auch diese verhängt ...
 
Zum Abschluss eine kleine Statistik der unfassbaren Abmahnungsabzocke im Jahr 2010:
 

Kanzlei   Abmahnungen     ø Kostennote   Gesamteinkünfte
Waldorf Frommer86.670916 Euro     79.389.720 Euro
BaumgartenBrandt54.080894 Euro48.347.520 Euro
Urmann & Collegen   51.840633 Euro32.814.720 Euro
Nümann & Lang   51.705526 Euro27.196.830 Euro
Rasch   35.7001.198 Euro42.768.600 Euro
...   ... ... ...
Gesamt (25 Kanzleien) 575.800     412.459.335 Euro
 
Quelle: Deutsche Abmahnstatistik 2010
 
Mit den nachfolgenden Quellenlinks bei angesehenen Medien belegen wir, dass obiger Artikel nicht von Polemik, sondern eher von Fassungslosigkeit geprägt ist, weil nämlich keine Polemik der Welt ausreichen würde, die realen Ereignisse im Land zu schildern.
 
 
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