02.11.2009 - Hexenjagd auf Kinderpornographen

Natürlich müssen Leute, die Kinder verführen, vergewaltigen, oder gar töten, dingfest gemacht werden. Und Leuten mit entsprechenden Veranlagungen sollten Therapiemaßnahmen angeboten werden. Darüber gibt und gab es nie eine Diskussion. Im Moment aber scheint die allgemeine Hatz auf (angebliche) Kinderpornographen immer absurdere Ausmaße anzunehmen und gleichzeitig durch keinerlei reale Gefahr oder Bedrohung gerechtfertigt. Fast wie ein satirisches Kuriosum, wäre es nicht so bitter ernst, erscheint deshalb der folgende aktuelle Fall aus Kanada:
 
Ein kanadisches Gericht verurteilte einen Mann aus Ottawa zu einer 2-wöchigen Freiheitsstrafe, weil er selbstverfasste Geschichten über den Sex mit Teenagern besaß. Diese waren niemals in irgendeiner Form veröffentlicht worden. Sie beruhten auch nicht auf realen Erlebnissen. Es ging auch nicht um Kinder, sondern wie gesagt um Teenager, die normalerweise durchaus sexuelle Erfahrungen haben, wenn auch in der Regel nicht mit Erwachsenen.
    Diese, offenbar zur persönlichen "Erbauung" verfassten Fantasien, wurden von Arbeitskollegen zufällig auf seinem Computer entdeckt und zur Anzeige gebracht.
 
Die ganze Absurdität dieses Falles wird weniger an der Gefängnisstrafe deutlich als an den weiteren Folgen:
  • Für eine Bewährungszeit von zwei Jahren darf der Verurteilte nur unter Aufsicht mit weiblichen Personen unter 18 Jahren kommunizieren!
  • Für diese Zeit hat er auch ein striktes Internetverbot!
  • Schließlich darf er auch keine Mobiltelefone oder andere internetfähigen Geräte besitzen.
  • Seine DNA wird in einer landesweiten Datenbank gespeichert.
  • Sein Name wird in das Register für Sexualstraftäter eingetragen.
Nicht nur, dass dies eine "Sexualstraftat" ohne Opfer ist. Es stellt sich auch die Frage, was mit der Freiheit der Gedanken und der Kunst ist. Würden die Verfasser von "Frühlingserwachen", "Lulu" (Wedekind) und "Lolita" (Nabokov) heute ebenfalls verhaftet? Und sind deren Bücher inzwischen in Amerika und Kanada verboten (was mich nicht wundern würde)? Ist meine Assoziation mit der Zeit der Hexenverfolgungen wirklich total abwegig?
 
Quelle: p2pnet.net
 
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