10.05.2012 - Gema versus Youtube

Kaum ein Urheberrechtsthema hat eine vergleichbare Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erreicht, wie der sich seit Jahren hinziehende Rechtsstreit zwischen Gema und Youtube. Jeder kennt diese typischen Urheberrechts-Meldungen, die einem regelmäßig den Spaß am Surfen verleiden:
Gema versus Youtube
Aber wer ist nun eigentlich der Böse in diesem Rechtstreit und worum geht es überhaupt?
 
Ursache der Sperrungen und auch des Rechtsstreites ist, dass ein alter Vertrag zwischen Gema und Youtube auslief und die Gema zukünftig mehr Geld haben möchte. Mehr, als Youtube zu zahlen bereit ist. Vermutlich auch mehr, als Youtube zahlen könnte, denn die Gebühren der Gema sind deftig und nur in den wenigsten Fällen durch Einnahmen zu decken. Auch viele Online-Radios sind daran kaputt gegangen. Man muss dabei bedenken, dass Youtube zwar riesig ist, aber ähnlich wie ein Discounter seine Gewinne durch niedrige Kosten bei hohem Umsatz erzielt. Ohnehin schrieb das Videoportal jahrelang rote Zahlen.
 
Das ganze erinnert fast an einen Streik um höhere Löhne: Die Gema, als alleiniger bzw. hauptsächlicher Rechteinhaber in Deutschland, "bestreikt" Youtube. Und der Schaden für Youtube ist mittlerweile enorm, denn immer mehr Surfer wandern zu anderen Videoportalen ab, die entweder noch nicht ins Blickfeld der Gema gelangt sind, oder sich irgendwie mit ihr geeinigt haben. Dass man sich dennoch bislang nicht einigen konnte, lässt vermuten, dass die von der Gema geforderten Gebühren ("Löhne") schlichtweg maßlos überzogen sind.
 
Besonders bedauerlich aber ist, dass der Schaden nicht nur für Youtube enorm ist, sondern eben leider auch für die Surfer und nicht zuletzt für die Künstler selber. Und hier zeigt sich, wie ideologisch diese ganze Diskussion geführt wird:
 
Die Gema vertritt eben NICHT die Interessen der Urheber, sondern nur ihre eigenen. Den Künstlern wird mit Youtube eine ihrer wichtigsten Plattformen zerstört. Eine Plattform, die vielen von ihnen überhaupt erst zum Durchbruch verholfen hat, zB. Justin Bieber oder jüngst Lana Del Rey. Und selbst eine Lady Gaga stellt jedes ihrer Videos vorab in hoher Qualität zur allgemeinen Verwendung (Embed und Download) bei Youtube ein.
 
Leider begreifen unsere Gesetzgeber und Rechtsprecher nicht, dass die rechteverwertende Industrie eben eine rein gewinnorientierte Industrie ist, die weder die Interessen der Künstler (Urheber) noch der Kultur vertritt, sondern einzig und allein die ihrer Aktionäre. Und eben deshalb sind die Lobbyisten der Kontentindustrie die allerletzten, die man zum Thema Urheberrecht befragen sollte und dürfte.
 
Ebenfalls muss man sich endlich von der klassischen Vorstellung trennen, dass es Urheber und Konsumenten gäbe und diese beiden Gruppen sich scharf getrennt gegenüber stehen würden. Das ist eben im Internet und in modernen Informationsgesellschaften schon lange nicht mehr der Fall. Die "Urheber" gewinnen viele ihre Ideen aus Statements, Veröffentlichungen und Basteleien von Laien, und umgekehrt arbeiten zB. bei Youtube unzählige Laien mit Versatzstücken von professionellen Urhebern, liefern dabei aber eigene kreative Beiträge, die oftmals erfolgreicher sind als die mitverwendeten geschützten Bestandteile der Profis. Das derzeitige Urheberrecht wird dieser neuen Situation einfach nicht mehr gerecht, zumal es ausschließlich an den Verdienstinteressen einiger weniger Kontent-Verwerter orientiert ist.
 
Ein "Gema-Cracker" für Youtube: ProxTube bei Chip.de
 
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