23.06.2008 - ACTA - Musiklobby bläst zum finalen Angriff

auf Demokratie und Bürgerrechte. Was da verhandelt wird, ist so ungeheuerlich, dass es vorerst hinter verschlossenen Türen stattfindet.
 
Heimlich wie die Diebe, die sie angeblich verfolgen wollen, handeln Vertreter von USA, Japan und den EU-Staaten zur Zeit das ACTA-Abkommen aus (Anti-Counterfeiting Trade Agreement). Hinter verschlossenen Türen wird über die strafrechtliche Verfolgung von Tauschbörsen-Nutzern, die Installation von Zwangsfiltern bei Internet-Providern und sogar über verdachtsunabhängige Durchsuchungen von Computern und Multimedia-Geräten durch Zollbeamte diskutiert. Da alles geheim ist, ranken sich viele Gerüchte um den endgülten Inhalt von ACTA, und das ist wohl auch so gewollt, damit sich die üblichen Drahtzieher aus der Musikbranche im Hintergrund halten können. Gerade deshalb dürfte aber klar sein, dass es sich nicht um einen demokratischen Entscheidungsprozess unserer Volksvertreter im Sinne ihrer Wähler handelt, sofern es letzteres überhaupt noch gibt.
 
Die Ziele von ACTA sind geschickt gewählt, insbesondere die systematische Kriminalisierung von Tauschbörsen-Nutzern. Würden Filesharer rechtlich mit Schwerverbrechern gleichgestellt, dann könnte auch die ohnehin umstrittene Vorratsdatenspeicherung gegen sie eingesetzt werden, denn es würde sich nicht mehr um Bagatell-Vergehen handeln. Die Verpflichtung von Internet-Providern, urheberrechtlich geschützte Inhalte auszufiltern, ist dagegen ein gross angelegter Zensurversuch, wie man ihn bisher nur aus China kennt. Eine pauschale Sperrung nach bestimmten Schlüsselwörtern wird sicher auch zahllose völlig legale Seiten treffen, und wenn die Infrastruktur erst einmal vorhanden ist, dann lassen sich neben Multimedia-Daten auch andere unbequeme Inhalte ganz schnell aus dem Netz verbannen. Und gemäß dem faschistischen Motto, lieber 10 Unschuldige treffen als einen Staatsfeind laufen lassen, wird man dann großzügig aufräumen, in diesem demokratischen Saustall namens Internet.
 
Nach dem Willen der US-amerikanischen Teilnehmer soll ACTA möglichst noch in diesem Jahr, also innerhalb der Amtszeit von George W. Bush, durchgedrückt werden, damit dessen Nachfolger im Präsidentenamt vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Auch ein solches Vorgehen hat mit Demokratie nichts mehr zu tun.
 
 
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