Mehrere Studien belegen einen Rückgang illegaler Downloads im Internet. Von 25 Prozent im Verlaufe eines Jahres ist die Rede, und die Musiklobby feiert dies schon als großen Erfolg.
Wehe aber, wenn man die Ergebnisse dieser Studie hinterfragt, denn die Wahrheit ist weitaus komplexer (ganz davon abgesehen, dass Meinungsumfragen und reales Verhalten ebenfalls zweierlei sind):
Da zeigt sich dann nämlich, dass nicht nur die illegalen Downloads rückläufig sind, sondern die Nachfrage nach Musik allgemein. Die Umsätze der Musikbranche sind in fast gleichem Maße rückläufig, nur das Internetgeschäft hat leicht steigende Tendenz.
Der Haupeffekt der lobbyistischen Gesetzesmanipulationen (Neues Urheberrecht) und der gezielten Hexenjagd gegen Filesharer (Abmahnungen) ist also offenbar, dass die Verbraucher jetzt sagen:
"Ihr könnt uns mal!"
Eben dieser Effekt wurde von Musikern und Szenekennern schon vor Jahren vorausgesagt. Eine Musikindustrie, die nur auf kurzfristigen Erfolg und Abzocke um jeden Preis, auch den, seine eigene Kundschaft zu verklagen, setzt, schaufelt sich ihr eigenes Grab.
Thomas Ruhstorfer von der Landesmusikakademie bringt außerdem auch den allgemeinen Qualitätsschwund knackig formuliert zur Sprache: "Die künstlerische Krise der Musikwirtschaft begann schon, bevor es das Internet gab. Das Problem der Musikindustrie heißt nicht Digitalisierung, sondern Bohlenisierung."
Auch der im folgenden Beitrag beschriebene
Urheberwahn schädigt das Geschäft, denn Erfolg haben gerade die Künstler, die ihre Werke frei und ohne Beschränkungen ins Internet stellen. Lady Gaga und Britney Spears zB. sind bei Youtube und auch den Tauschbörsen omnipräsent, und machen nicht trotzdem, sondern vermutlich gerade deshalb unglaubliche Umsätze. Weil nämlich all diese MP3s und Videofiles wie virale Werbung wirken, während die Urheber-Paranoiker auf ihrem perfekt geschützten um nicht zu sagen "versteckten" Kram sitzenbleiben. Völlig verdient sitzenbleiben, denn geizige und kleingeistige Paranoiker braucht niemand, schon gar nicht in der Kunst.
Gleich vorweg: Wir sind keine Gegner des Urheberrechts, wir halten es nur - in der derzeitigen Form - für veraltet und kontraproduktiv.
Anlass für diesen Artikel ist das aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe zu Bildersuchmaschinen. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich Künstler (und Verlage) in ihrem Urheberwahn quasi selber schaden. Bevor ich näher darauf eingehe, kann ich mir aber einen kleinen Rundumschlag nicht verkneifen:
Britney Spears leitete ihr (gelungenes) Comeback über das Internet ein. Ein (für amerikanische Verhältnisse) provokant nackter Clip wurde bei Youtube eingestellt, und machte binnen Kurzem die Runde durch die Blogs und Communities und wurde ihr größter Hit seit Teeniejahren.
Lady Gagas aktueller Clip "Telephone" wurde ebenfalls, noch vor der offiziellen Veröffentlichung, bei Youtube eingestellt und eroberte die Welt innerhalb weniger Tage.
Und jetzt schauen wir uns mal deutsche Künstler und Plattenfirmen an. Da wird in penibler Fleißarbeit jeder Upload-Versuch bei Youtube unterbunden, Blogger, die den Titel auch nur anspielen, müssen mit Klagen und grotesken Schadenersatzforderungen rechnen. Statt bei Youtube werden die Titel, in ans Neurotische grenzender "Verlustangst" auf download-geschützten Plattformen (zB. Tape.tv) veröffentlicht. Dort kann sie zwar, wie erwähnt, niemand downloaden, nicht mal in die temporären Speicher, aber dafür findet, spielt und kommentiert sie natürlich auch niemand.
Während Britney und die GaGa-Lady mit Klugheit und Großzügigkeit die Welt erobern, stehen sich deutsche Firmen und Künstler mit ihrem fast lächerlichen Urheberwahn und Kleingeisterei selber im Weg. Entsprechend auch die Verkaufszahlen deutscher Interpreten.
Jetzt aber noch kurz zum angesprochenen Google-Urteil: Geklagt (durch sämtliche Instanzen) hatte eine Weimarer Künstlerin, die sich darüber ärgerte, dass Google Thumbnails ihrer Bilder präsentierte. Darin sah sie eine Urheberrechtsverletzung.
Die Richter wiesen die Klage nun auch in höchster Instanz ab. Begründung: Wer seine Bilder ins Internet stellt, muss damit rechnen, dass diese von Suchmaschinen indiziert werden. Falls er das nicht möchte, kann er entsprechende technische Vorkehrungen treffen (robots.txt). Darüber hinaus wiesen die Richter, in für deutsche Juristen ungewohnter Weitsicht, darauf hin, dass eine Indizierung bei Google, auch oder gerade mit Thumbnails, dem Künstler nicht schadet sondern nützt, da ein deutlich erweiterter Personenkreis auf die ausgestellten Arbeiten aufmerksam wird.
Auch hier zeigt sich also schön, wie Urheberwahn den Betroffenen mehr schadet als nützt.
Kaum ist das leidige Sperrengesetz national vom Tisch und als Blödsinn erkannt, da kommt es durch das Hintertürchen Europa wieder zurück ...
Nachdem die ewig gestrigen Zensurbefürworter in Deutschland gescheitert waren, machen sie jetzt offenbar europaweit mobil. Die Strategie ist dabei ebenso durchschaubar wie erschreckend: Bei der europäischen Kommission gibt es nämlich keinerlei demokratische Kontrolle.
Während wir national mit der
Petition gegen Sperren, der
Zensursula-Kampagne, und nicht zuletzt der empfindlichen
Wahlschlappe der sogenannten Volksparteien (insbesondere der SPD waren die jungen Wähler scharenweise davongelaufen), das Schlimmste verhindern konnten, gibt es auf europäischer Ebene praktisch keinerlei Einflussmöglichkeit. Selbst das (wenigstens demokratisch gewählte) Parlament ist an die Weisungen der Komission gebunden.
Symptomatisch für diese Vorgänge ist, dass auch das BKA sofort auf den rückwärts gewandten Zug aufspringt und wegen des Verbots der Vorratsdatenspeicherung vor Rückschlägen im Kampf gegen Kinderpornografie warnt um nicht zu sagen herumjammert. Denn dieser ganze sogenannte Kampf ist doch nur eine Farce. Missbraucht werden die Kinder im trauten Heim und offenbar auch in religiösen Institutionen, aber sicherlich nicht im Internet.
Wir wollen aber hier nicht alle längst angeführten Argumente und Studien für die Sinnlosigkeit und Gefährlichkeit von Internetsperren wiederkäuen, sondern verweisen stattdessen nur auf die entsprechenden Artikel. Der Kampf ist noch längst nicht zu Ende!