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[ Rettet das Internet |
Gast-Beiträge ]
Der folgende satirische Artikel ging bereits vor einigen Jahren durch zahlreiche Foren,
ist aber trotzdem noch erschreckend aktuell.
Das Original-Posting wurde von Peter Gorres im
Inoffiziellen Fernseh- und Medienforum veröffentlicht.
Leider konnten wir den Autor bisher nicht kontaktieren, aber angesichts des Inhalts
hoffen wir auf sein Einverständnis zum Abdruck. Auf jeden Fall würden wir uns über
eine Rückmeldung an reinhard (at) rettet-das-internet.de freuen.
2002: Als beste Künstler werden Madonna, Herbert Grönemeyer, Tom Jones, Cher, und Santana ausgezeichnet. Zu den Top-Hits gehören Westlife mit "Uptown Girl", die No Angels mit "All Cried Out", Kelly Osbourne mit "Papa Don't Preach", Madonna mit "American Pie". Die Musikindustrie erfährt zum ersten Mal nach einer langen Boomzeit einen Umsatzrückgang. Als Hauptursachen macht sie das in Mode gekommene Kopieren von CDs und das Tauschen von Musikdateien im Internet verantwortlich. Um den Kids klar zu machen, daß das Kopieren von Musik letzendlich die Künstler schädigt, startet die Industrie die Kampagne "Copying Music is Killing Music".
2003: Die Musikindustrie zeichnet Herbert Grönemeyer, Nena, Kim
Wilde, Ozzy Osbourne und Metallica als beste Künstler aus. Das Album
Nr. 1 ist Nena mit Remixen ihrer größten Hits. In den Hitparaden
finden sich neben Alexander, Juliette und Daniel K. auch Jeanette
Biedermann mit "Rock my Life", das stark nach Roxette klingt.
Weiterhin gehören Lichtenfels mit "Sounds like a Melody", Outlandish
mit "Aicha", Kraftwerk mit "Tour de France 2003", KCPK mit "We will
Rock You" und Murphy Brown mit "Axel F 2003" und Culture Beat mit
"Mr. Vain Recall" zu den Tophits.
2004: Die Musikindustrie zeichnet Herbert Grönemeyer, Marius
Müller-Westernhagen, DJ Bobo, Marianne Faithfull und Pur aus. In den
Charts stehen das Hollywood Dance Project mit "Relax Reloaded",
Kajagoogoo mit "Too Shy 2004", Nena mit "Haus der 2004 Sonnen" und
Nico W aus "GZSZ" mit "Ich vermiß Dich wie die Hölle" lange Zeit ganz
oben.
2005: Es werden Herbert Grönemeyer, Tom Jones, die Supremes, Suzi
Quatro und Elvis Presley als Künstler des Jahres ausgezeichnet, dazu
Status Quo mit dem Innovationspreis des Musiker-Managements. Die
Charts führen an Peter Maffay mit "So bist Du 2005", Roberto Blanco
mit "Ein bißchen Spaß muß wieder mal sein" und Zarah Leander mit "Ich
weiß, auch 2005 wird ein Wunder gescheh'n."
2006: Die Musikindustrie bringt ein neues Tonträgerformat heraus: Die
"Smart CD". Sie benötigt spezielle Abspielgeräte mit
Internet-Anschluß. Die Smart-CDs lassen sich nur abspielen, nachdem
vorher eine Lizenz über das Internet gekauft wurde. Lizenzen gibt es
nur noch temporär, es ist nicht mehr möglich, ein Musikstück "für
immer " zu erwerben. Dafür werden die "Smart-CD"-Spieler im Bundle
mit einem Musik-Abo für einen Euro angeboten.
2007: Mit Hinweis auf die vielen bedrohten Arbeitsplätze setzt die
Musik-Lobby ein Gesetz durch, nachdem der Rückruf einmal erteilter
Lizenzen möglich ist. Prompt widerruft die Industrie alle bisher
erteilten Lizenzen auf nicht kopiergeschützte Tonträger. Damit werden
alle älteren CDs und alle LPs illegal, ebenso Plattenspieler und
CD-Spieler, die nicht dem "Smart CD" Standard entsprechen. Im
Austausch für ihre Original-CDs bietet die Industrie CD-Besitzern
eine Einjahreslizenz für die auf der CD vorhandene Musik an.
2008: Musik wird in Deutschland nur noch im Radio oder bei Konzerten
gehört. Das Radio verliert aber an Popularität, seit die Industrie
die Sender zwingt, nur noch neueste Produktionen zu spielen und über
diese drüberzusprechen, damit das Aufnehmen mit Tapedecks verhindert
wird. Konzerte sind fast unbezahlbar geworden, da das gesamte
Management von den Eintrittspreisen mitbezahlt werden muß. 2009: Die Musiklobby setzt beim Gesetzgeber das Verbot öffentlicher und privater Performance urheberrechtlich geschützen Materials durch. Musikinstrumente werden mit einer Urheber-Abgabe belegt, da man ja eine Gitarre etwa zum Raub-Abspielen von Stones-Songs mißbrauchen kann. "Making music is killing music" lautet die begleitende Kampagne, die den Leuten Unrechtsbewußtsein beibringen soll. 2010: Um Arbeitsplätze bei Musikern zu schützen, wird Musikunterricht rationiert: Es dürfen nur noch so viele Nachwuchsmusiker ausgebildet werden, wie der Markt braucht. Da dieser schneller schrumpft als die Musiker wegsterben, bedeutet das faktisch ein Verbot des Musikunterrichts. Hunderte Musikschulen werden geschlossen. 2011: Sarah Connor versucht mit "Terminate Me" einen neuen, nicht gecoverten Song herauszubringen, wird aber dafür von den Anwälten der Musikrechteinhaber verklagt, die es nicht erlauben, daß neue Urheber am kleiner werdenden Kuchen mitverdienen wollen. "Composing music is killing music" heißt das Schlagwort der Inhaber alter Rechte. Sarah Connor gewinnt den Rechtsstreit, wird aber kurz darauf unter mysteriösen Umständen ermordet aufgefunden. Von nun an traut sich niemand mehr, neue Songs zu schreiben. 2012: Die Eltern des 6-jährigen Wolfgang Amadeus Moherb, des "Jugend-musiziert"-Siegers, werden zu 150.000 Euro Schadenersatz an die Musikindustrie verurteilt, weil sich herausgestellt hat, daß ihr Kind erst seit eineinhalb Jahren musiziert, also nach dem Inkrafttreten der Unterrichts-Rationierung. Seine Lehrerin, die Violinistin Anne-Sophie Mutter, entzieht sich einer Gefängnisstrafe durch Flucht in den Irak, dem einzigen Land, das nicht unter Kontrolle der westlichen Wertegemeinschaft und damit der Musikindustrie ist.
2020: Nahezu jede tonliche Äußerung, darunter Motorgeräusche,
Trittschall, Türschließgeräusche und gesprochenes Wort, sind unter
urheberrechtlichen Schutz gefallen. Eine Tür zumachen darf quasi nur
noch, wer nachweisen kann, daß der dabei erzeugte Schall nicht dem
von Porsche patentierten ähnelt. Die einzigen lizenzfreien Worte sind
"der", "die", "das", "und" und "hallo". Die Gespräche von
Menschen, die sich das "Deutsche Sprache Abo" nicht leisten können, sind daher
fast unverständlich geworden. Überhaupt ist es sehr still geworden,
da fast jede Schallerzeugung das Risiko einer Abmahnung durch den
Münchner Justizkonzern G. und Söhne mit sich birgt. 2050: Europa und die USA sind in einem Handstreich vom Irak eingenommen worden. Die Iraker brauchten nur einen einzigen Muezzin, um die halbe Streitmacht der Westmächte auszuschalten, die sich, an Schall nicht mehr gewöhnt, mit zugehaltenen Ohren am Boden wälzte. Die andere Hälfte und die zivile Bevölkerung wurden dadurch gewonnen, daß man ihnen Kinderlieder vorsang. Die Menschen fingen an zu weinen und den Invasoren auf Knien zu danken, für diese neue und wunderbare Gabe, die sie so lange vermißt hatten. Seither ist der Islam die größte Weltreligion und das Reich Allahs unter der weisen Herrschaft des Kalifen von Washington schwingt sich auf zu neuer Blüte. |