[ Rettet das Internet | Gast-Beiträge ]
 

Einleitende Anmerkungen von Rettet das Internet:
Die folgende Fallbeschreibung ist deswegen ungewöhnlich, weil der Abmahner ausnahmsweise mal darauf besteht, nicht der Urheber eines bestimmten Textes zu sein, obwohl es zahlreiche Indizien dafür gibt, dass er an seiner Entstehung zumindest beteiligt war. Es wird also letztlich deswegen abgemahnt, weil jemand beinahe vorbildlich zitiert und seine Quellen nach bestem Wissen genannt hat. Der als "Herausgeber" bezeichnete Nicht-Urheber ist übrigens eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, aber auf ausdrücklichen Wunsch der Autorin verzichten wir auf die Nennung seines Namens. Da die Autorin ausserdem weitere Schwierigkeiten befürchtet, geben wir hier nur ihren Vornamen an. Das beschriebene Telefonat mit dem Anwalt des Nicht-Urhebers spricht dafür, dass diese Befürchtungen durchaus berechtigt sind und dass es wie üblich doch nur wieder ums Geld geht.


Eva-Maria
Namensnennung verboten!

Geht’s noch?
Da flattert mir am 25. Oktober 2008 meine 2. Abmahnung ins Haus. Wie lächerlich kann so was eigentlich sein?

Es geht um einen Text über Engel. Ich wollte damals meiner Pflicht als Webmasterin nachkommen und ein Copyright anbringen. So machte ich mich über Google auf die Suche nach dem Herausgeber. Ich fand ihn in einer sehr bekannten Radioseite, die mich, ich staunte nicht schlecht, direkt unter dem Namen des angeblichen Herausgebers und einem Satz über seine Frau, verlinkte. Der erste Link führte direkt zu der Seite mit dem Engel-Text in meiner HP, und der zweite zu meiner Startseite. Hat mich natürlich riesig gefreut. Wie konnte ich auch ahnen, dass benannter Herausgeber angeblich nicht der Herausgeber dieses Textes ist. Es gab keinen Grund daran zu zweifeln, schließlich war das eine bekannte Radioseite, und die würden schon wissen was sie tun.

Der gute Mann, der selbst durch sein Amt in der Lage gewesen wäre die Sache zu bereinigen, nahm sich einen Anwalt. Da er diesen Weg nahm, ist es für mich offensichtlich, dass es nur um Geld ging. Also nichts anderes als reine Abzocke. Es war in der Abmahnung auch von Schadenersatz die Rede. Ich frage mich nur welchen Schaden hat der Herr dadurch genommen? Eine einfache E-Mail an mich mit der Bitte seinen Namen aus meiner Seite zu nehmen – und alles wäre gegessen gewesen. Genau darauf weise ich in meiner Seite hin, dass ich in einem solchen Fall höflich angeschrieben werden möchte, und dass ich selbstverständlich die besagte Datei sofort entferne.

Ich schrieb dem Anwalt einen Brief, dass ich den Artikel wie gewünscht entfernt habe, mir aber keiner Schuld bewusst bin etwas Falsches getan zu haben. Schließlich war ich als Betreiberin einer HP bemüht alles richtig zu machen. Ich schrieb auch, dass es keine Notwendigkeit gewesen ist, dass besagter Herr Abmahner einen Rechtsanwalt damit beauftragt, da er dies in seinem Amt selbst hätte tun können. Ich wartete also auf Post.

Stattdessen bekam ich einige Tage später einen Anruf des Rechtsanwalts. Er wollte es schriftlich, dass ich den Text nicht mehr veröffentliche. Ich versicherte ihm, dass ich mich daran halten werde, was ihm aber nicht genügte. Er schenkte mir keinen Glauben. Er meinte das würden alle sagen, aber sich dann doch nicht daran halten. Er bezichtigte mich somit einer Lüge. Ich unterschrieb ihm was er verlangte und schickte auch diesen Brief ab.

Womit ich nicht ganz klar komme, ist die Art und Weise wie dieser Mensch das Telefonat geführt hat. Ich bin es nicht gewöhnt solche Gespräche zu führen. Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man höflich miteinander umgehen sollte. Das verlangt ein wenig Respekt seinen Mitmenschen gegenüber, woran es diesem Menschen offensichtlich mangelt.

Obwohl ich ihm die Adresse der Radioseite nannte, in dem ich das Copyright fand, musste ich sie ihm genau buchstabieren, weil seine Sekretärin die Radio-Seite anwählen wollte. Dazu, so sagte er mir, stelle er sein Telefon auf Lautsprecher. Seine Sekretärin hätte die Adresse nur aus meinem Brief ablesen müssen. Also reine Schikane. Dann meinte er, wie ich wissen kann, dass der Eintrag in der Radioseite auch der Richtigkeit entspricht. Den Eintrag, in dem sich der Abmahner selbst als der Herausgeber nennt (so liest es sich jedenfalls, wird aber bestritten), hätte ja nicht sein Mandant gemacht sondern der Radiosender. Wem kann man da noch glauben? Hat der Radiosender sich etwa erdreistet persönliche Worte des Abmahners über seine Frau zu veröffentlichen? Angeblich, so meinte er, müsse ich mich kundig machen, ob der Eintrag echt ist. Schön, dann werde ich mich mal auf die Suche machen und alle Links in meiner Seite anzweifeln. Ich werde aufwendige Nachforschungen betreiben, ob die Links auch die Links sind, die ich verlinkt habe. Welch eine Verlinkung ;o.)). Ist das zu fassen?

Ich sagte dem Herrn, dass ich nicht bereit bin auch nur einen einzigen Cent zu zahlen, da ich mir keiner Schuld bewusst bin. Außerdem wäre es laut Gesetz nicht nötig gewesen die Sache einem Anwalt zu übergeben, da er in seinem Amt, wie schon erwähnt, die Sache selbst hätte bereinigen können. Der Rechtsanwalt drohte mir danach mit einer Pfändung meines PCs. Nachdem ich ihm meine finanzielle Lage klar gemacht hatte, meinte er, ich könne ja so arm nicht sein, sonst hätte ich keinen PC. Er meinte auch, was ich glauben würde - wenn er sein Geld haben wolle, was er alles pfänden kann. Wie dreist ist das denn? Es fielen noch einige laute Worte, obwohl ich ihn darauf aufmerksam machte, dass bei mir zwei Menschen anwesend sind, die alles bezeugen können. Darauf seine Frage: "Was wollen sie denn mit Zeugen?".

Nun frage ich mich, ist das eigentlich ok, dass sich ein Rechtsanwalt so benimmt, und ist es ihm eigentlich gesetzlich gestattet mich telefonisch zu kontaktieren? Meine Version der Dinge – er wollte mich einschüchtern, was ziemlich in die Hose ging ;o.)).