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Panik wegen angeblich schrumpfender Umsätze,
Entlassung von Künstlern, kopiergeschützte CDs, Klagewellen ... Das sind die
Reaktionen der Muskikindustrie auf die weit verbreitete Nutzung von
P2P-Tauschbörsen. Aber was ist wirklich los? Ich bin selbst Musiker und habe
deshalb einen ganz guten Einblick in die Materie. Die Probleme der
Musikindustrie sind ausnahmslos hausgemacht:
- Die neuen Möglichkeiten elektronischer
Vertriebswege wurden komplett verschlafen
Seit 1999 mit Napster die erste Tauschbörse gegründet wurde, beschränkten
sich die Aktivitäten der Musikindustrie auf gerichtliche Klagen gegen
Betreiber und Nutzer. Während Tauschbörsen wie Morpheus, Kazaa, e-Donkey
oder Bittorrent aber trotzdem einen regelrechten Boom erlebten, existieren
bis heute kaum brauchbare Alternativen. Legale Download-Plattformen wie z.B.
die deutsche Phonoline werden aufgrund von Einschränkungen bei Abspiel- &
Kopierfähigkeit, geringer Auswahl und überhöhten Preisen von den
potentiellen Kunden kaum akzeptiert. Einzige Ausnahme ist Apples i-Tunes,
über die bis jetzt mehr als 70 Millionen Songs verkauft wurden, was das
Bedürftniss nach legalen MP3-Angeboten unterstreicht.
- Die Produkte wurden unbrauchbar gemacht
Damit meine ich den Kopierschutz, der neuerdings auf vielen CDs anzutreffen
ist, auch bekannt als "Abspielschutz" oder "Un-CDs". Die meisten Verfahren
bauen kleine Fehler in die CDs ein, so dass sie nicht mehr im Laufwerk eines
PC abgespielt werden können (was schon schlimm genug ist), aber oft genug
auch nicht in älteren Playern und Autoradios. Dem Kunden werden also im
Endeffekt unbrauchbare CDs verkauft, die nicht dem Red-Book-Standard
entsprechen und nach gültigem Recht gar nicht als "CD" bezeichnet werden
dürfen. Komisch, dass es dagegen noch keine Klagen gab!
- Die eigene Kundschaft wird verklagt
Inzwischen werden auch in Deutschland Nutzer von Tauschbörsen verklagt, die
sich vielleicht nur ihnen bisher unbekannte Musik anhören wollten, um sich
ein Bild zu machen. Viele dieser Nutzer gehen aber später in den Laden um
sich dann dort eben diese Musik zu kaufen, die sie ohne Tauschbörse nie
kennengelernt hätten. Was ist denn das für eine Strategie, potentielle
Kunden zu verklagen? Noch dazu, wenn Studien aus den USA beweisen, dass
dieses Vorgehen die P2P-Nutzung keinesfalls verringert!
- Qualifizierte Mitarbeiter werden
entlassen und durch "Billigarbeiter" ersetzt
Wie kürzlich zu lesen war, hat BMG-Deutschland gerade 60% seiner Künstler
entlassen und im gleichen Atemzug die Tantiemen für Musiker um 40% gekürzt.
Man stelle sich vor, so etwas geschähe in einem anderen Industriezweig. Ganz
Deutschland würde aufschreien! Aber offenbar interessiert es niemanden, wenn
so drastische Kürzungen im kulturellen Sektor vorgenommen werden. An die
Stelle der entlassenen Künstler treten nun Retortenbands, und "Pop-Stars"
wie Kübelböck & Co. Gute Nacht, Kultur!
- Die Nachwuchsförderung wurde aufgegeben
Wozu auch den Nachwuchs fördern? Wir haben ja Robbie, Kylie und Madonna, die
bringen uns doch viel mehr ein. Aber was ist in 10 Jahren? Die Musikfans
wollen neue, hochwertige Musik, und nicht immer wieder Neuauflagen des schon
Dagewesenen.
Soviel zu den Fehlern der Musikindustrie.
Es gibt wohl kaum etwas, das man noch tun könnte, um seine Kunden
abzuschrecken.
Warum biete ich meine Songs auf
www.chillheimer.de
gratis an? Wenn man heute nicht gerade Mainstream-Musik macht, ist es
unglaublich schwer, davon zu leben, denn ein eigenes Album muss sich dazu
mindestens 5000 mal verkaufen. Das Internet bietet mir eine einfache
Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, ohne dass die Musikindustrie noch
zusätzlich die Hand aufhält.
Bernard "Chilli" Geiger
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