[ Rettet das Internet | Gast-Beiträge ]
 

Bernard "Chilli" Geiger (Webmaster von www.chillheimer.de)
Die Todsünden der Musikindustrie

 
Panik wegen angeblich schrumpfender Umsätze, Entlassung von Künstlern, kopiergeschützte CDs, Klagewellen ... Das sind die Reaktionen der Muskikindustrie auf die weit verbreitete Nutzung von P2P-Tauschbörsen. Aber was ist wirklich los? Ich bin selbst Musiker und habe deshalb einen ganz guten Einblick in die Materie. Die Probleme der Musikindustrie sind ausnahmslos hausgemacht:
  • Die neuen Möglichkeiten elektronischer Vertriebswege wurden komplett verschlafen
    Seit 1999 mit Napster die erste Tauschbörse gegründet wurde, beschränkten sich die Aktivitäten der Musikindustrie auf gerichtliche Klagen gegen Betreiber und Nutzer. Während Tauschbörsen wie Morpheus, Kazaa, e-Donkey oder Bittorrent aber trotzdem einen regelrechten Boom erlebten, existieren bis heute kaum brauchbare Alternativen. Legale Download-Plattformen wie z.B. die deutsche Phonoline werden aufgrund von Einschränkungen bei Abspiel- & Kopierfähigkeit, geringer Auswahl und überhöhten Preisen von den potentiellen Kunden kaum akzeptiert. Einzige Ausnahme ist Apples i-Tunes, über die bis jetzt mehr als 70 Millionen Songs verkauft wurden, was das Bedürftniss nach legalen MP3-Angeboten unterstreicht.
     
  • Die Produkte wurden unbrauchbar gemacht
    Damit meine ich den Kopierschutz, der neuerdings auf vielen CDs anzutreffen ist, auch bekannt als "Abspielschutz" oder "Un-CDs". Die meisten Verfahren bauen kleine Fehler in die CDs ein, so dass sie nicht mehr im Laufwerk eines PC abgespielt werden können (was schon schlimm genug ist), aber oft genug auch nicht in älteren Playern und Autoradios. Dem Kunden werden also im Endeffekt unbrauchbare CDs verkauft, die nicht dem Red-Book-Standard entsprechen und nach gültigem Recht gar nicht als "CD" bezeichnet werden dürfen. Komisch, dass es dagegen noch keine Klagen gab!
     
  • Die eigene Kundschaft wird verklagt
    Inzwischen werden auch in Deutschland Nutzer von Tauschbörsen verklagt, die sich vielleicht nur ihnen bisher unbekannte Musik anhören wollten, um sich ein Bild zu machen. Viele dieser Nutzer gehen aber später in den Laden um sich dann dort eben diese Musik zu kaufen, die sie ohne Tauschbörse nie kennengelernt hätten. Was ist denn das für eine Strategie, potentielle Kunden zu verklagen? Noch dazu, wenn Studien aus den USA beweisen, dass dieses Vorgehen die P2P-Nutzung keinesfalls verringert!
     
  • Qualifizierte Mitarbeiter werden entlassen und durch "Billigarbeiter" ersetzt
    Wie kürzlich zu lesen war, hat BMG-Deutschland gerade 60% seiner Künstler entlassen und im gleichen Atemzug die Tantiemen für Musiker um 40% gekürzt. Man stelle sich vor, so etwas geschähe in einem anderen Industriezweig. Ganz Deutschland würde aufschreien! Aber offenbar interessiert es niemanden, wenn so drastische Kürzungen im kulturellen Sektor vorgenommen werden. An die Stelle der entlassenen Künstler treten nun Retortenbands, und "Pop-Stars" wie Kübelböck & Co. Gute Nacht, Kultur!
     
  • Die Nachwuchsförderung wurde aufgegeben
    Wozu auch den Nachwuchs fördern? Wir haben ja Robbie, Kylie und Madonna, die bringen uns doch viel mehr ein. Aber was ist in 10 Jahren? Die Musikfans wollen neue, hochwertige Musik, und nicht immer wieder Neuauflagen des schon Dagewesenen.

Soviel zu den Fehlern der Musikindustrie. Es gibt wohl kaum etwas, das man noch tun könnte, um seine Kunden abzuschrecken.
Warum biete ich meine Songs auf www.chillheimer.de gratis an? Wenn man heute nicht gerade Mainstream-Musik macht, ist es unglaublich schwer, davon zu leben, denn ein eigenes Album muss sich dazu mindestens 5000 mal verkaufen. Das Internet bietet mir eine einfache Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, ohne dass die Musikindustrie noch zusätzlich die Hand aufhält.

Bernard "Chilli" Geiger